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Über die militärischen Konflikte des Propheten mit den Juden von Medina (Buchbeitrag)

Im meinem Aufsatz „Über die militärischen Konflikte des Propheten mit den Juden von Medina“ habe ich eine Reihe einflussreicher Berichte und Narrative zu den militärischen und anderweitig gewalttätigen Auseinandersetzungen des Propheten Muhammad mit den Juden von Medina kritisch untersucht. Dieser Aufsatz befindet sich nun auch auf meinem Blog. Zur schnelleren Orientierung habe ich ein aus Links bestehendes Inhaltsverzeichnis vorangestellt. Eilige Leser können auch gleich mit der Zusammenfassung am Ende (Kap. 12) beginnen.

Mein Text kommt zum Ergebnis, dass gerade die brutalsten, brisantesten und zugleich am häufigsten zitierten Überlieferungen wie beispielsweise die über die kollektive Hinrichtung hunderter Männer der Banu Qurayza trotz ihrer Verbreitung historisch nicht eindeutig und somit als Grundlage für eine Verhältnisbestimmung des originären Islams gegenüber den Juden ungeeignet sind. Dabei lässt sich anhand einer quellenkritischen Analyse der breit gestreuten Überlieferungen zu den Juden in weniger bekannten Quellen, aber auch auf der Basis der sichersten historischen Quelle aus der islamischen Frühzeit, nämlich dem Koran, eine Reihe ernst zu nehmender Zweifel an der Verlässlichkeit der besagten Überlieferungen formulieren.

Damit wird zugleich zahlreichen Gewissheiten islamkritischer und islamisch-fundamentalistischer Narrative über eine angeblich grundsätzliche Judenfeindlichkeit des Islams und des Propheten Muhammad die Grundlage entzogen.

Zur vorliegenden Analyse habe ich neben einer Reihe anderer Autoren und eigenen Überlegungen insbesondere die Studie „Exegetisches Denken und Prophetenbiografie“ (1998) von Marco Schöller herangezogen, die zu den wichtigsten historisch-kritischen Studien zur islamischen Überlieferungen zu den Juden in Medina überhaupt gehört und deren Aufarbeitung insbesondere auch von muslimischer Seite noch weitgehend aussteht. Auch hierzu will mein Text einen kleinen Beitrag leisten.

Mein Aufsatz erschien erstmals im Sammelband „Muhammad. Ein Prophet – viele Facetten“, der 2014 von Yaşar Sarıkaya, Chalil Bodenstein und Erdal Toprakyaran herausgegeben wurde. Seitdem ist der Beitrag auch anderweitig abgedruckt und vielfach zitiert worden. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit ihn grundsätzlich zu aktualisieren und zu ergänzen, beispielsweise durch mehr direkte Verweise auf die relevanten Stellen in den originalen Tafsīr- und Fiqh-Werken, die hier oft über die Sekundärliteratur zitiert werden, oder durch eine Diskussion der Varianten an Überlieferungen in den kanonischen Hadithwerken zum Thema.. Ich meine jedoch, dass der Aufsatz immer noch gut als Einstieg in die Thematik geeignet ist. Die Fußnoten und Quellenhinweise ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit der entsprechenden Spezialliteratur.

Diese kleine Studie zeigt, dass alternative Zugänge zur Frühgeschichte des Verhältnisses zwischen Muslimen und Juden auf fundierte Weise möglich sind, und dass diese ohne Willkür und ohne vollständigen Revisionsanspruch auskommen. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass man nicht dogmatisch auf die Richtigkeit der tradierten Standarderzählungen zur Frühgeschichte mit den Juden besteht, wie sie sich erst in den ersten Jahrhunderten des Islams etabliert haben, und dass man damit leben kann, dass es zu zahlreichen Detailfragen der hier behandelten Thematik keine absoluten historischen Gewissheiten geben kann.

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