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Fünf Thesen zur Debatte über "liberalen" und "konservativen" Islam

am Donnerstag, 17 Mai 2012. Gepostet in Islam, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Theologie

Ich hatte kürzlich auf dem Zukunftsforum Islam der Bundeszentrale für Politische Bildung die Gelegenheit mit Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime), Suleiman Wilms (Islamische Zeitung) und Lamya Kaddor (Liberal-Islamischer Bund) an einem spannenden und brisanten Podiumsgespräch teilzunehmen. Dabei ging es um ein aktuelles Streit- und Reizthema innerhalb der muslimischen Communitiy in Deutschland, nämlich um die Frage nach der Möglichkeit eines "liberalen Islams" in Abgrenzung zu einem "konservativen Islam" (ich bevorzuge die Gänsefüßchenschreibweise, da diese Begrifflichkeiten zwar populär, aber aus nachvollziehbaren Gründen umstritten sind).

Serdar hat auf seinem Blog die wichtigsten Beiträge zu dieser Debatte verlinkt. Ich empfehle jedem an der Debatte Interessierten die Linkliste gründlich durchzuarbeiten um zu sehen, was eigentlich verhandelt werden soll, und in was für einem angespannten Zustand sich die Debatte dank der Bemühungen der Beteiligten  befindet. Das Podiumsgespräch war meines Wissens das erste Mal, dass sich einige der Gegner öffentlich im Gespräch begegneten. Ich selbst nahm als verbands- und vereinsunabhängiger Muslim teil, der wohl am ehesten als konservativer Muslime mit liberaler Ausrichtung zu bezeichnen wäre (oder doch eher als liberaler Muslim mit konservativer Ausrichtung? Ach es ist ein Elend mit den Begriffen...).

Auch wenn es sich bei vielen Fragen dabei um Scheinprobleme oder rein politische Machtinteressen handeln sollte - im innersten Kern der Sache geht es um essenzielle Fragen, die alle Muslime auf die eine oder andere Weise beschäftigen und betreffen, und die es wert sind durchdacht zu werden. Diese essenziellen Fragen ("Was fordert der Islam hier und heute vom Muslim? Was hat er im Umkehrschluss anzubieten?") gehören zu den wichtigsten Themen meines Blogs. Im Folgenden stelle ich euch meine ersten fünf Thesen zur Debatte vor, die ich auf dem Podium vertreten habe. Was meint ihr dazu? Ihr dürft sie zerreißen, falls es euch gelingt (aber bitte mit Argumenten!). To be continued inşallah...

1.    Begriffsklärung als fester Bestandteil des innerislamischen Diskurses

Der innerislamische Diskurs reagiert sensibel auf die Einführung von Begriffen, die einem nicht islamischen Kontext entstammen, wie etwa "liberaler" vs. "konservativer Islam", oder Reform. Von vielen Muslimen werden diese Begriffe nicht als Ausdruck eines muslimischen Interesses verstanden, sondern als Vorgaben der staatlichen Politik im Namen der nicht muslimischen Mehrheitsgesellschaft, gemäß derer Muslime ihre Religion umschreiben sollen. Es ist  erforderlich, dass innermuslimisch exakt definiert wird, in welchem Sinn und in welchem Interesse diese Begriffe verwendet werden.

Ferner muss genauestens dargestellt werden, worin die praktische und theologische Notwendigkeit bzw. Legitimität neuer Konzepte liegt. (Auch wäre es wohl sinnvoller von „liberalem Islamverständnis“ statt von „liberalem Islam“ zu sprechen, da bei letzterem unterstellt werden kann, dass ein Eingriff in den Kernbestand des Islams besteht.) Nachdem die Begriffsklärungen erfolgt sind, müssen die Gegner dieser Konzepte erläutern, warum sie gegen diese sind, und  welche praktischen oder theologischen Gründe aus ihrer Sicht für ihre ablehnende Haltung bestehen. Dies führt sogleich zum nächsten Punkt.

2.    Den liberalen Islam verorten

Wenn liberaler Islam bedeutet als Muslim einen pluralismusfreundlichen, Zwang ablehnenden und das deutsche politische System bejahende Haltung einzunehmen, dann vertreten die meisten Muslime bereits eine profilierte Form von "liberalem Islam", einschließlich derer, die im Diskurs als die Konservativen gelten. Denn im Vergleich zum Islamverständnis des klassischen islamischen Rechts, das lange Zeit vor der Moderne von Gelehrten entwickelt und systematisiert wurde, fallen die besagten Positionen erheblich liberaler aus.

In diesem Fall wäre an die Gegner des "liberalen Islams" die Frage zu stellen, wie sie es denn bezeichnen für eine freiheitliche Haltung einzustehen, obwohl das klassische islamische Recht in vielen Bereichen äußerst restriktiv ausgelegt und verstanden worden ist. Wenn die demokratischen Muslime ihre Haltung als klassisch-islamisch bezeichnen, dann müssen sie erklären, wie sie aus den klassischen Islamkonzepten eine liberale Demokratie, Meinungsfreiheit und Pluralismus im modernen Sinn und ferner Menschenrechte ableiten ohne Neuinterpretationen vor dem Hintergrund der Moderne vorzunehmen, wie manche von ihnen zu implizieren scheinen. Wenn dies nicht möglich ist, dann sollte man offen aussprechen, dass sie heute eine deutlich liberalere Linie vertreten als die Tradition. Dann aber erübrigt sich die Ablehnung des Begriffs „liberal“, zumindest als Komparativ. Auch wenn man also keinen "liberalen Islam" vertritt, so kann man doch sagen, dass man in seinem Islamverständnis in machen Punkten liberaler im Vergleich zu anderen Islamverständnissen aus Geschichte und Gegenwart ist.

3.    Der Gegensatz zu einer liberalen Haltung ist nicht Konservativismus, sondern Autoritätsgläubigkeit

Der Gegensatz zum Liberalen ist weniger das Konservative, sondern die Autoritätsgläubigkeit. Oft wird im Diskurs das Anklammern an die Meinung eines bestimmten religiösen Umfeldes als konservativ bezeichnet. Wenn "liberaler Islam" jedoch eine theologische Position beinhaltet, dann muss auch "konservativer Islam" ausschließlich im theologischen Sinne verstanden werden. Dies würde bedeuten, dass sich ein "konservativer Islam" unmittelbar auf die Methoden der islamischen Gelehrtentradition unter Einbezug der klassischen Hauptquellen bezieht und Anpassungen des islamischen Rechts an die Bedingungen Moderne auch vorsichtig und schrittweise aus der Tradition heraus entwickelt, oder in den klassischen Rechtsmeinungen nach modernefähigen Positionen Ausschau hält. Aber nichts anderer scheinen auch die Vertreter des "liberalen Islams" zu fordern, wenn sie auch deutlicher auf Veränderung plädieren. Insofern ist es die beharrliche Imitation des Islambildes des eigenen Umfeldes, das als Gegensatz zu einem reflektierten Islam sowohl liberaler, als auch konservativer Prägung verstanden werden muss.

4.    Theoriefeindlichkeit als innerislamisches Problem

Die meisten Islamkonzepte sind heute durch eine Definition über die Praxis, durch extremen Pragmatismus und Identifikation mit Kollektiven geprägt. Was fehlt, ist offensichtlich: Der theoretische Überbau, eine Klärung von Auslegungsprinzipien, eine profunde Kenntnis der Textquellen, eine Anthropologie, eine Ethik und eine Erkenntnistheorie. Eine Theorie von Tradition, Moderne, Scharia, Menschenrechten und Demokratie. Eine Theorie des kulturellen Niedergangs der islamischen Welt, eine Theorie kultureller Identität, Gesellschaft und Staat.

All dies steht nicht im Fokus des innerislamischen Diskurses, und selbst wenn, dann nur in rudimentärer, politisierter, apologetischer oder romantischer Form. Dieser Mangel an Theorie bzw. Theologie machen Diskussionen über "konservativen" und "liberalen Islam" apriori zu einem bloßen Ringen um politische Macht und Einfluss, und das in Begleitung von nicht ausgesprochenen Ängsten um Verluste und Loyalitätsreflexe.

Es ist nicht möglich einen intellektuellen Diskurs zu führen, wenn die Diskursbasis jegliche systematisch durchdachte Theorie ablehnt bzw. meint, das bloße Nennen von Koran, Sunna oder von Gelehrtenmeinungen sei schon Theorie. Richtig ist: Es ist kein Zugriff auf Koran, Sunna und die Gelehrtenmeinungen ohne eine vorgeschaltete Theorie möglich. Es geht hierbei gar nicht um die Vereinheitlichung der Theorie, sondern um eine Explizierung: Erst wenn deutlich ausgesprochen wird, wie die Positionen lauten, und wie sie sich aus dem Gesamtkontext der eigenen Theorie ableiten, ist ein über Oberflächlichkeiten hinausreichender Diskurs möglich.

Mit der jetzigen, extrem pragmatischen und inkohärenten Weise in der Öffentlichkeit über „den Islam“ zu sprechen ist jeder Versuch von Andersdenkenden verstanden zu werden oder jemanden gar zu überzeugen zum Scheitern verurteilt. Von dieser Inkompetenz in Theorie profitieren heute am meisten die Islamkritiker und radikale Islamisten. Denn wenn von Vertretern der Muslime Koran und Sunna in manchen Diskurskontexten als ein System bereits fertiger, unmittlbar umsetzungsrelevanter und universeller Regeln beschrieben werden (Bsp: „Es gibt keinen Zwang in der Religion“, Toleranz & Friedfertigkeit des Islams belegt durch Koranverse oder Aussagen des Propheten), dann wird dies von manchen als Einladung verstanden auch alle anderen Quellen als unmittelbar umsetzungsfähige Prinzipien zu verstehen, was zu den bekannten Argumenten der beiden Extreme führt.

5.    Wessen Stimmen schwingen im innerislamischen Diskurs mit?

Es ist notwendig immer wieder zu klären, in wessen Interesse z. B. ein "liberaler Islam" vertreten wird. Denn er ist neu, hat noch keine Tradition und es ist nicht geklärt, wie groß seine gesellschaftliche Basis ist. Ferner scheint ein großer Teil der deutschen Öffentlichkeit eher Sympathien für diese Richtungen zu zeigen. Dies ist nicht nur eine Chance, sondern auch ein hohes Risiko.

Staatliche und gesamtgesellschaftliche Interessen sind legitime und wichtige Stimmen im Islamdiskurs, jedoch müssen diese auch als solche gekennzeichnet bleiben. Der "liberale Islam" steht vor der Herausforderung seinen Skeptikern zu zeigen, dass er mehr ist als das Staatsinteresse in islamischem Gewand, wie ihm oft unterstellt wird. Darum ist es ratsam Medienauftritte in deutschen Medien zu dieser Thematik mit größter Vorsicht zu handhaben. Zudem wäre es notwendig zu zeigen, dass ein großer Teil der Muslime interessiert ist an solchen Konzepten.

Insbesondere ist zu vermeiden, dass theologische Konzepte wie "liberaler Islam" verwechselt werden mit nicht praktiziertem Islam, oder mit einem normativen Relativismus. Leider geschieht dies auf der Seite der Skeptiker allzu oft, woran die Vertreter der Liberalen nicht ganz unschuldig sind. Zudem ist zu beachten: Während sich vor der deutschen Öffentlichkeit eher die als konservativ geltenden Muslime als die als liberal geltenden in Erklärungsnot wiederfinden, müssen sich innerislamisch die neuen liberalen Stimmen erst im Vergleich mit der islamischen Tradition legitimieren. Sonst werden sie eine Randerscheinung bleiben.

Es ist eine schwierige, aber - sofern man undogmatisch bleibt - realisierbare Aufgabe. Jedoch erfordert die Systematisierung liberaler Islamkonzepte noch viel Zeit und einen langen und mühsamen Prozess, in dem die Stimmen aller Beteiligten Gewicht haben sollten. Hierzu ist viel Theoriearbeit und ein intensiver fachlich fundierter innerislamischer Diskurs notwendig, insbesondere in Form wissenschaftlicher Arbeit an Themen, die nicht von bloßem Geschmack, von Sympathie oder Gruppenloyalität entschieden werden dürfen. Nur das bessere Argument sollte zählen. Dazu darf die Debatte jedoch nicht primär in den Feuilletons der etablierten Medien geführt werden, da dort mit Sicherheit kein herrschaftsfreier Diskurs möglich ist (Ein Problem: Wo ist dieser denn überhaupt möglich? An den Unis? Oder in den Blogs?).

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Meine Antwort auf den offenen Brief auf turkishpress.de an mich

am Montag, 07 Mai 2012. Gepostet in Identität, Türken, Allgemeines

Auf dem Nachrichtenblog turkishpress.de, wo immer wieder Beiträge von mir als Gastbeiträge verlinkt sind, ist ein kurzer, aber sehr kritischer offener Brief an mich erschienen, auf den ich im Folgenden antworte. Diese Antwort ist auch auf turkishpress.de zu finden. Et volià:

Sehr geehrter Milo,

Ich habe Ihren offenen Brief auf turkishpress.de mit Interesse gelesen  – allerdings musste ich mir einige Male die Augen reiben um sicher zu gehen, ob Sie mich darin nicht mit jemandem verwechselt haben. Sie stellen mich in Ihrem Brief in eine Reihe mit Necla Kelek und Bassam Tibi, also namhaften Gegnern religiöser Muslime in Deutschland – und fordern, dass ich aufhören solle mich zum Sprachrohr der Intoleranz zu machen.

Das ist eine ziemlich exakte Umkehrung dessen, was ich in meinen Texten vertrete.

Und Ihre „Beweisführung“ strotzt von persönlichen Angriffen und Gedenkenleseversuchen, aber entbehrt trotz Ansätzen leider gründlich ausgeführter und differenzierter Argumente, mit denen Sie mich eigentlich leicht überzeugen könnten. Sie hätten ruhig einen etwas längeren Text schreiben können, der nicht nur Ihre Empörung, sondern auch Ihre Widerlegung meiner Thesen beinhaltet, ebenso Argumente, die Sie ohne Zweifel besitzen. Im Folgenden möchte ich sowohl Ihre Kritiken diskutieren, als auch einige Anschuldigungen zurückweisen. Zunächst aber möchte ich meinerseits kritisch zu Ihnen anmerken, dass ein offener Brief erst dann richtig charmant wird, wenn da ein Klarname daruntersteht.

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Einführung zur Reihe "Gedanken zu Sure 4, Vers 34"

am Donnerstag, 26 April 2012. Gepostet in Islam, Islamkritik, Geschlechter

Ich habe in meiner Stellungnahme zu einer Veröffentlichung von afghanischen Gelehrten, die die Gewaltanwendung des Mannes gegen seine Ehefrau unter manchen Bedingungen unter expliziter Berufung auf den Koran gutheißt, sowohl ein Verständnis von absolutem Patriarchat mit umfassender Gehorsamspflicht für die Frau, als auch jede Form eines Züchtigungsrechts des Ehemannes zurückgewiesen - und ich habe geschrieben:

"Mir egal ob mit einem Hölzchen, einem Tuch oder mit der bloßen Hand: Ein solches Problemlösungsverfahren hat in unserer heutigen Zeit der Bildung, der Verhandlung und der möglichen finanziellen Unabhängigkeit auch von Frauen nichts mehr zu suchen. Punkt! Aber Moment mal… Aber Moment mal… Stehen all die Dinge, die ich hier kritisiere, nicht alle genauso im Koran? Ist das denn nicht islamischer Konsens seit Urzeiten des Islams? Kann ich als Moslem denn Ansichten, die doch nur denen des Gelehrtenmainstreams entsprechen, derart dreist widersprechen? Ja, und ob ich das kann! Und ich tue dies als gläubiger und praktizierender Muslim, der überzeugt davon ist hierin die universelle Vernunft und den gut verstandenen Koran auf seiner zu Seite haben."

In meiner vierteiligen Textreihe "Gedanken zu Sure 4, Vers 34" möchte ich nun meine Thesen belegen und im Detail darstellen, wie ich zu dieser Position komme.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34, oder: Ist die muslimische Ehefrau ihrem Mann untergeordnet? (Teil 1)

am Freitag, 13 April 2012. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Koran, Islamisches Recht, Geschlechter

1 Einstieg: Patriarchale und emanzipatorische Lesarten von 4:34

Sure 4, Vers 34 des Korans gilt sowohl in muslimischen wie nichtmuslimischen Kreisen als die zentrale Koranpassage, die dem Mann in der Ehe eine Vorrangstellung gegenüber der Frau einräumt und ihm zudem eine Durchsetzungsrecht zuspricht, das nach gängiger Auffassung als letzten Schritt auch die Möglichkeit zu einer gemäßigten körperlichen Züchtigung einschließt. In diesem Beitrag möchte ich sowohl diese Vorrangsstellung des Mannes als auch das daraus abgeleitete Durchsetzungsrecht im Lichte von 4:34 diskutieren und zunächst ausgehend vom Koranvers selbst, dann unter Einbezug historischer Kontexte zeigen, wie diese patriarchalen Strukturen mittels Analyse ihrer Voraussetzungen auch im Rahmen des islamischen Glaubens überwunden bzw. entschärft werden können.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34, oder: Darf ein muslimischer Mann seine Ehefrau schlagen? - Was die islamische Tradition, das ZIF, Ömer Özsoy und Hayrettin Karaman dazu zu sagen haben (Teil 2)

am Donnerstag, 26 April 2012. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Islamkritik, Islamisches Recht, Geschlechter

3) Zugänge zu 4:34 im Hinblick auf die Thematik ehelicher Gewalt

Unser Zwischenfazit lautete: Sure 4, Vers 34 macht die Vorrangstellung des Mannes in der Ehe von praktischen Bedingungen abhängig, am offensichtlichsten von seiner aktuellen Ernährerrolle für seine Frau. Da diese Bedingung hier und heute als weitgehend oder zumindest potenziell überholt gelten kann, wäre es nur eine Konsequenz der inneren Logik von 4:34 auch das aus dem Ernährerstatus gefolgerte Durchsetzungsrecht des Mannes einschließlich eines eventuellen Züchtigungsrechts als hier und heute nicht anwendbar anzusehen.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34, oder: Männer und Frauen gemeinsam für ein humaneres Geschlechterverhältnis (Teil 3)

am Donnerstag, 26 April 2012. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Geschlechter

In den beiden Texten dieser Reihe habe ich die Auslegung des Koranverses 4:34 diskutiert, der als wichtigste Grundlage zur Begründung eines hierarchischen patriarchalen Rollenverhältnisses von Mann und Frau im Kontext des islamischen Rechts gilt. Ich habe vesucht zu zeigen, dass der Vers eine Vorrangsstellung des Mannes in der Ehe von Bedingungen abhängig macht. Die Essenz dieser Bedinungen ist die absolute Versorgerrolle des Mannes, von der die Frau existenziell abhängt. Da diese Bedingung nicht als statisch vorausgesetzt werden kann, und in unseren modernen Wissens- und Informationsgesellschaften ohnehin neue Anforderungen an Erwerbsfähigkeit und Familienverantwortung gestellt werden, habe ich gefolgert, dass auch die Voraussetzungen des Patriarchats unter den Bedingungen einer modernen Bildungsgesellschaft nicht mehr gegeben sind. Ich habe dazu auf einige zeitgenössische Stimmen, und auf entsprechende Ansätze in der islamischen Tradition hingewiesen. Ich glaube bis auf Weiteres, dass diese Auslegung vernünftig, gültig und im Sinne des Koranautors ist.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34: Über das Verhältnis von Islam und Grundgesetz (Teil 4)

am Freitag, 27 April 2012. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Islamkritik, Islamisches Leben, Geschlechter, Theologie

Jeglicher Versuch einer Reform islamischer Praxis, und sei sie noch so gut begründet, ist stets begleitet von einer Reihe weiterer Diskussionen. Eine davon hat ihre Wurzeln in muslimischen Kreisen - sie artikuliert die Befürchtung, dass jede emanzipatorische Neubestimmung islamischer Praxis letztlich auf eine völlig Angleichung an die westliche Moderne hinausläuft. Die andere Diskussion hat ihre Wurzeln in der Integrationsdebatte - sie fordert, dass die islamische Theologie in gewisser Weise nach Maßgabe des Grundgesetzes umgeschrieben werden muss. Im Folgenden möchte ich in wenigen Sätzen zeigen, dass diese Diskussionen beiderseits oft am eigentlichen Kern der Sache vorbeigehen. Genaugenommen will ich die Themen hier nur kurz anschneiden.

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Interview (mit mir) im Deutschlandradio über die Islamkonferenz und Integration

am Donnerstag, 19 April 2012. Gepostet in Islam, Integration

Anlässlich der Islamkonferenz vom 19. April 2012 war ich in der Sendung "Ortszeit" im Deutschlandradio Kultur mit einem Interview u. a. zu den Themen Kauder ("Islam gehört nicht zu Deutschland"), Islamkonferenz, Salafiten und Frauenrechten zu hören - aus meiner Sicht ein kleines Brainstorming zu diversen Themen. Und: Nicht, dass ich ansonsten langsam sprechen würde, aber da es viel zu sagen gab, habe ich mich bemüht besonders schnell zu sprechen, mal sehen wer da mithält :)

Die Zusammenfassung des Interviews findet ihr hier und das Interview hier.

Ich hatte bereits auf meinem Blog einen Text zum Desinteresse der Muslime an der Islamkonferenz verfasst, der auch auf dem Blog von Jörg Lau von der Zeit diskutiert wurde.

Von meinen Lesern würde ich zudem gerne Folgendes wissen (gerne auch per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ): Welche muslimischen Leser kennen die Islamkonferenz? Was halten sie von ihren Ziele und Themen? Was haltet ihr überhaupt von der Veranstaltung - und warum? Was wünscht ihr euch von ihr? Angesprochen von meiner Frage mögen sich vor allem die "Normalos" unter den Muslimen fühlen, die sich ansonsten nicht gerne zu diesen Themen äußern.

Nachtrag (eben erfahren): Eine sehr lesenswerte und anregende Meinung zur Islamkonferenz und vor allem zur Zukunft des innerislamischen Diskurses in Deutschland findet ihr bei Serdar Güneş, der damit übrigens am selben Tag wie ich einen Auftritt im Deutschlandradio Kultur hatte

(@Serdar: Wenn wir inşallah mal Rentner sind, gründen wir ein eigenes Radio und beschallen dann mit unseren Meinungen, Diskussionen und Lieblingssongs rund um die Uhr die Welt, ok? Wer sonst noch mitmachen will, möge sich melden...).

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Warum man laut Râbi'a Gott anbeten sollte

am Montag, 09 April 2012. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben

Dies ist eine der berühmtesten Erzählungen über die islamische Sufi-Meisterin Râbi'a al-'Adawiyya (gest. 801 n. Chr.), die auf den Punkt bringt, was das höchste Ziel des Muslims sein sollte:

"Man sah sie in den Straßen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, antwortete sie: Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer an das Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in der Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit will."

(zitiert nach Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis, S. 21)

Hier noch etwas von mir: Jenseits, Pflichtstreben und Glücksstreben bei Kant und im Koran

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Einspruch, verehrter Rat der Ulema! – Eine Polemik anlässlich des Weltfrauentags

am Sonntag, 01 April 2012. Gepostet in Menschenrechte, Islamkritik, Fundamentalismus, Islamisches Leben, Geschlechter

Pünktlich zum Weltfrauentag standen in zwei muslimischen Ländern zwei wichtige politische Stellungnahmen zur Lage der Frauen im Mittelpunkt. Die eine ist ein Gesetz der türkischen Regierung zur Bekämpfung von Gewalt gegenüber Frauen. Der Gesetzestext ist erfreulich eindeutig: „Der Gewalt gegenüber Frauen begegnet man am häufigsten innerhalb der Familie. Dabei nimmt diese physische und psychologische Formen an, aber auch die Form wirtschaftlicher Vorenthaltung und sexueller Gewalt.“ Und: „Gewalt gegenüber Personen ist eine Menschenrechtsverletzung.“ Ferner: „Es gehört zu den Verantwortungen des Staates die Gleichheit von Mann und Frau herzustellen und die Menschenrechte der Frau unter Schutz zu stellen.“ Ein Gesetz, unterschrieben von überwiegend praktizierenden Muslimen und vom türkischen Parlament einstimmig angenommen - begründet unter Verweis auf universelle Menschenrechte, die nicht nachträglich durch Verweis auf scheinbar religiöse Prinzipien unterhöhlt werden. Der aufgeführte Maßnahmenkatalog ist umfangreich und beinhaltet Präventiv- wie Interventionsmaßnahmen und thematisiert ausführlich den Schutz der Frau ebenso wie die Verfolgung gewalttätiger und –bereiter Männer. Beeindruckt hat mich das Problembewusstsein und die Eindeutigkeit des Gesetzes, dessen Botschaft zusammengefasst so lauten könnte: Wir haben ein echtes Problem mit ehelicher Gewalt und unsere Aufgabe ist es diese ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Man darf zurecht erwarten, dass dies einen Wendepunkt im türkischen Umgang mit dem Problem des entarteten orientalischen Patriarchats darstellt. Bravo!

Fast zeitgleich hat der afghanische Präsident Karzai ein Edikt des die Regierung beratenden Gelehrtenrats veröffentlicht und bestätigt, das zwar noch nicht juristisch bindend ist, aber offensichtlich die weitere Richung der afghanischen Frauenpolitik vorgibt. Offensichtlich zielt letztere auf eine Aussöhnung mit den Taliban ab. In Pragraph 5 heißt es, dass „die heilige Religion des Islam“ - im Unterschied zu anderen Zivilisationen und Gesellschaften in Vergangenheit und Gegenwart - der Frau „bürgerliche und soziale Rechte“ und „menschlichen Wert und Ehre zugesprochen“ habe. Nach einer Auflistung einiger dieser Rechte kommen jedoch eifrige „Aber“s: Laut den eindeutigen Versen aus Sure 4 (Verse 1 und insbesondere 34) sei der Mann „primär“ und die Frau „sekundär“. Das Tätigen von Aussagen, die diesen Koranversen widersprechen, sei zu vermeiden. Selbstverständlich verbiete die Scharia auch das Schlagen von Frauen – außer wenn ein aus Sicht der Scharia legitimer Grund vorläge. Diese Gründe seien im Koran genannt.

Die Botschaft lautet also: Liebe Muslime und Musliminnen, macht eucht nichts vor. Euer Heiliges Buch hat den Mann der Frau vorgezogen. Darum darf der Mann seine Frau bei legitimen Gründen durchaus schlagen. Da der Koran all dies eindeutig geregelt hat und heilig ist, obliegt es euch zu diesen Dingen zu schweigen.

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Merahs Terrorhintergründe oder: Steht im Koran, dass Ungläubige zu töten sind?

am Donnerstag, 29 März 2012. Gepostet in Islam, Islamkritik, Koran, Terrorismus

Hier meine sehr kurze Stellungnahme zur These, dass angebliche koranische Aufrufe zur Tötung von Nichtmuslimen die Gründe dafür seien, warum Terroristen wie Mohammed Merah morden (mit Links zu weiterführenden Texten von mir).

Ein Leser kommentierte auf Zeit-Online:

"Auch, wenn es fürchterlich unpopulär sein mag, muss es in Zeiten von vor Erklärungswut und Deutungseifer immer länger werdenden Artikeln,  erlaubt sein, ganz unspektakulär festzustellen: Dass Ungläubige getötet werden sollen, diese Aufforderung ist klar und unmissverständlich im Koran nachzulesen. Aber diese Tatsache ist vermutlich viel zu einfach und zu 'wenig hilfreich', als dass die geistigen Überflieger und Entschlüsseler der großen Zusammenhänge so einen banalen Einwurf akzeptieren würden."

Meine Antwort: Diese Behauptung ist nicht nur einfach, sondern auch falsch.

1) Von allen "Tötungsaufrufen" im Koran lässt sich zeigen, dass diese ausschließlich unter der Prämisse eines tätlichen oder unmittelbar bevorstehenden Angriffs von außen formuliert sind. Selbst in der "radikalsten" Sure 9 findet man diesen Hinweis, wenn es da heißt: "Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide [d.h. Friedensverträge mit den Muslimen] gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen?" (9:13) Noch viel deutlicher ist dies in anderen Suren, in denen der Krieg thematisiert wird. Der größere textuelle Kontext des Korans verbietet also die von Islamgegnern und muslimischen Fanatikern vorgeschlagene "Koranauslegung" im Sinne eines totalen Krieges gegen "Ungläubige".

2) Das Argument, dass die früheren Friedensverse von den späteren Kriegsversen abrogiert (d. h. abgelöst) worden seien, ist weit verbreitet, funktioniert jedoch nicht. Denn auch die späteren Kriegsverse haben (vgl. 1) einen konkreten textuellen oder historischen Kontext, der einer Auslegung im Sinn eines "totalen Krieges" im Wege steht. Während Muslime dies so verstehen, versuchen Islamkritker uns weiszumachen, dass die Muslime den Islam falsch verstünden, und dass die "Deutung" von Merah und co. die eigentlich islamische sei.

3) Texte haben bei aller Brisanz keine kausale Wirksamkeit, auch wenn sie als heilig gelten. Es ist die vom sozialen Kontext anerkannte, autoritative Deutung, die den meisten Gläubigen als Kern ihrer Religion gilt. Von daher ist es sinnvoller radikale Kreise zu bekämpfen statt ein (durchaus auslegungsbedürftiges) heiliges Buch, das von den wenigsten seiner Anhänger im Sinne Merahs verstanden wird.

4) Die wenigsten Muslime studieren den Korantext. Noch viel weniger radikalisieren sich auf diese Weise. Außerdem wird selbst in Koranschulen nur Koranrezitation und keine gründliche Exegese (Koranauslegung) gelehrt. Darum gehen Argumente der Art "Sure x, Vers y" zur Erklärung von Gewalt und Terror im Namen des Islams in den meisten Fällen ins Leere.

5) Zugegeben: Die Radikalen zitieren gerne Stellen aus dem Koran, scheinbar rein, ohne jede Interpretation. Jedoch ist bereits die gezielte Auswahl einer Hand voll Verse unter Unterschlagung der unmittelbar benachbarten mäßigenden Passagen eine "Interpretation", d. h. im Fall von Merah und Konsorten: eine Verdrehung des eigentlichen Sinnes.

6) Jeder, der den Islam für "schuldig" am Terror erklärt, muss auch erklären, warum Terror im Namen des Islams fast ausschließlich mit bestimmten Richtungen im Islam verknüpft ist (Teile des Wahhabismus/Salafismus) - und warum die Hauptopfer dieser Terroristen wiederum andere Muslime sind. Spätestens hier endet die alleinige Erklärungskraft der Ursachen Koran/Islam, und der soziale und politische Kontext der Täter, der freilich auch radikal-islamische Komponenten haben kann, muss analysiert werden. Und wer sich weigert den gewaltbereiten Fanatiker vom friedlich praktizierenden Muslim zu unterscheiden, hat womöglich gar kein Interesse daran die Terroristen einzukreisen. Denn sie sind erfahrungsgemäß der beste Vorwand um pauschal und kostenlos gegen alle Muslime zu hetzen.

7) Merah hat durchaus etwas mit dem Islam zu tun, und zwar ungefähr soviel wie Anders Breivik mit der Islamkritik, oder wie mordende Neonazis mit Patriotismus.

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Yunus Emre und der grenzenlose Fürst

am Mittwoch, 28 März 2012. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens, Theologie

Das Auge, das Dich sah -
Was soll es noch betrachten?
Die Seele, die Dich fühlt,
Soll sie des Leibes achten?

Du bist ein reicher Fürst
Hast Grenze nicht noch Ende,
Der Stift beschreibt Dich nicht -
Wie soll's die Zunge sagen?

Wer Dir zum Diener ward,
Wer Dir sein Herz geschenkt,
Wer Dich im Herzen fand -
Wohin soll er noch reisen?

(Übersetzung eines Gedichts des anatolischen Mystikers und Volksdichters Yunus Emre (gest. ca. 1321 n. Chr), in: Annemarie Schimmel, Ausgewählte Gedichte von Yunus Emre, Köln 1991, S.119)

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Hat der Terrorist Merah etwas mit dem Islam zu tun?

am Freitag, 23 März 2012. Gepostet in Menschenrechte, Islamkritik, Terrorismus, Weltpolitik

Jörg Lau hat auf seinem Blog auf einen guten und fundierten Text von Muhammad Sameer Murtaza hingewiesen, in dem er auf die Notwendigkeit hinweist, den schändlichen Terroranschlag in Toulouse auf jüdische Kinder und einen Lehrer nicht einfach mit der Bemerkung abzutun, dass dies mit dem Islam an sich nichts zu tun habe. Vielmehr sei es auch nötig selbstkritisch nach jenen Stimmen im Islam zu suchen, die als Rechtfertigung für Mörder wie den Terroristen Muhammad Merah dienen. Hier mein eigener kurzer Kommentar zu Laus Text:

"Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Man kann es nicht mehr hören…

Hier wurde etwas anderes ausagiert, und das hat eben wohl etwas mit dem Islam zu tun."
(Zitat von Jörg Lau)

Das sehe ich auch so - ich halte es ebenfalls für eine äußert oberflächliche Art des Umgangs mit ideologisch motivierter Gewalt. Dabei kann ich den Ansatz "Das hat nichts mit dem Islam zu tun" aber auch gut verstehen: Er soll deeskalierend wirken und die muslimische Mehrheit in Schutz vor Generalverdacht nehmen. Diese Sorge ist völlig berechtigt und verdient Respekt. Wenn der Begriff Islam im Diskurs schlicht "Islam der muslimischen Mehrheit in Deutschland" meint, würde ich dem Satz sogar zustimmen.

Wenn man jedoch unter Islam einen theologischen Ausgangspunkt versteht, von dem sich auch teils heikle Ideologien ableiten, dann ist die Feststellung, dass man es sich nicht so einfach machen darf, richtig.

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Von Gülen und der Freilassung von Ahmet Şık

am Donnerstag, 22 März 2012. Gepostet in Türkei

Auf Zeit-Online ist ein interessantes Interview von Michael Thumann mit dem türkischen Journalisten Ahmet Şık erschienen. Er war aufgrund seiner Arbeiten an einem gülenkritischen Buch wegen Verdachts auf Mitgliedschaft in der Ergenekonbande in Untersuchungshaft gekommen. Schon bald kursierte das Gerücht, dass Anhänger der Gülenbewegung, die Ämter im Justizapparat bekleideten, hinter dieser und weiterer ähnlicher Verhaftungen stecken würden. Demnach hätte die Bewegung unter Billigung der AKP den türkischen Staat unterwandert und würde hier seinen Machtbereich auf den Staat ausdehnen.

Ich halte dieses Szenario für tendenziös und stark verkürzt - bis zum Beweis des Gegenteils gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Egal, ob der Angeklagte Şık, Gülen oder anders heißt. Nun hat Şık selbst darauf verwiesen, dass der auch von ihm erhobene Vorwurf gegen die Gemeinde um Gülen differenzierter ist, als es in den türkischen Zeitungen teils durchschien. Eben davon handelt ein Leserkommentar, den ich unter das Interview gesetzt habe, und den ich hier veröffentliche.

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Was ist aus den Akteuren des Films "Mohammed - Der Gesandte Gottes" geworden?

am Sonntag, 18 März 2012. Gepostet in Islam, Musik, Kunst

Was ist aus den Akteuren des Films

Ich bin heute auf einen interessanten und teils wirklich rührenden Artikel hierzu in der türkischen Yeni Şafak gestoßen (hier verlinkt), in dem der Autor die Spur von wichtigen Beteiligten dieses Films verfolgt hat - eines Films von 1976, dessen Regisseur Moustapha Akkad ein syrischer Muslim war (rechts im Bild mit seiner Tochter Rima Monla und einem nach einem Enkel aussehenden Jungen). Dessen Inhalt folgt den klassischen islamischen Quellen und wurde zugleich nach westlichen Standards mit einer entsprechenden Besetzung gedreht. Der Film ist im Türkischen als Çağrı (dt.: der Ruf) und im Englischen als The Message bekannt.

Was da an Erinnerungen wach wird: Bilal, der schwarze Sklave aus Mekka, der trotz Folter zum Propheten hielt und dem Jahre später die Ehre zukam den ersten Gebetsruf des Islams erschallen zu lassen... Hamza, der Onkel des Propheten, dargestellt durch einen ausgesprochen charismatischen Anthony Quinn... alles untermalt durch eine einfache aber eingängige Filmmusik (hier ein Ausschnitt), die bei mir noch Jahre später Gänsehaut erzeugt, und für viele zum modernen Soundtrack des Islams überhaupt geworden ist.

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