Archive für Januar 2010
Wie man sich Osmanen heranzieht
7.1.2010 von Hakan Turan.
Der Unterricht bei Frau Rieger* an der städtischen Realschule hat gerade begonnen. Und wie die vor wenigen Wochen eingeschulten Fünftklässler am lauten und bestimmten Tonfall der Deutsch- und Geschichtslehrerin, die zugleich Schulleiterin ist, erkennen können, gibt es zuvor etwas Wichtiges zu klären. In die Richtung von Fatih blickend fängt Frau Rieger an:
„Bevor wir anfangen will ich etwas sagen. Sei dir über einige Sachen im Klaren, Fatih. Diese wären, dass ich gesehen habe, dass du in den Pausen die Mädchen belästigst und schlägst. Du kannst dieses Verhalten in der Türkei bei euren Frauen an den Tag legen. Aber mit deutschen Mädchen und Frauen kannst du nicht so umgehen wie mit türkischen Frauen.”
Völlig verwirrt widerspricht Fatih den Beschuldigungen, doch gegen diese mutige Kulturkämpferin, die dem Türken endlich klar machen will, dass hier nicht türkische, sondern deutsche Gepflogenheiten gelten, ist nicht anzukommen. Die Situation endet mit einer Ankündigung von Strafmaßnahmen bei wiederholtem Fehlverhalten und einem weinenden Fünftklässler, der zum ersten Mal einige längst fällige Worte über den fundamentalen Unterschied zwischen den beiden Kulturen, in denen er groß wird, belehrt wird.
Die Mädchen in der Klasse fragen sich gegenseitig, wen von ihnen genau denn Fatih geschlagen haben soll. Nach einigem Gemurmel kommen sie zum Ergebnis, dass Frau Rieger Fatih offensichtlich beim Fangen- und Versteckspielen in der Pause beobachtet und sein Verhalten als abfällige und machohafte Geste gegenüber den Mädchen missverstanden haben muss. In der Pause gehen die Mädchen, mit denen Fatih gespielt hatte, geschlossen zu Frau Rieger und erklären ihr, dass Fatih überhaupt nichts Schlimmes gemacht hat. In der nächsten Stunde entschuldigt sich Frau Rieger vor der versammelten Klasse bei Fatih. Sie hat das Missverständnis zugestanden. Damit ist die Sache für sie erledigt und man kann wieder zur Tagesordnung übergehen.
Als mir Fatih diese Geschicht erzählt, liegt sie bereits 15 Jahre zurück. Ich frage den sportlichen Mittzwanziger, der über den zweiten Bildungsweg und nach einer Ausbildung und Arbeit am Fließband den Weg ins Studium geschafft hat, wie dieses Erlebnis ihn beeinflusst hat. Er erzählt mir das, was ich von sehr vielen türkischen Jungen und Mädchen in unterschiedlichsten Varianten höre:
„Nach diesem Vorfall begann ich mich für den Unterschied zwischen Deutschen und Türken zu interessieren. Ich wollte wissen, wieso ich anders als die anderen behandelt werde. Auch die Osmanen und die Religion wurden wichtiger für mich.”
Auf die Frage, wie er das Miteinander von Deutschen und Türken heute einschätzt, antwortet er, dass er neben seinen türkischen Freunden auch viele deutsche Freunde hat und sehr wohl sieht, dass nicht nur Deutsche, sondern auch die Türken in Deutschland einiges falsch gemacht haben und immer noch falsch machen. Aber Tatsache sei auch, dass er aufgrund seiner Herkunft in manchen Situationen immer noch abfällig behandelt und ausgegrenzt werde. Deswegen fühle er sich trotz seines deutschen Passes nach wie vor als Türke.
Ich persönlich war verblüfft über die große Ähnlichkeit von Fatihs Geschichte zu einer Begebenheit, die ich an eigenem Leibe vor nunmehr über 20 Jahren in der Grundschule erleben durfte. Auch dort spielten die Jungen und Mädchen in der Klasse Fangen. Als es zwischen den beiden Gruppen zum Streit kam, wollte ich schlichten und schrieb im Namen der Jungen einen Versöhnungsbrief, den ich auf dem Pausenhof gerade den Mädchen geben wollte. Just in dem Moment stand Frau Rose, meine Klassenlehrerin in der dritten Klasse, neben mir und begann genau auf die selbe Art über fundamentale Werteunterschiede zu dozieren wie Frau Rieger: So unverschämt könne ich mich in der Türkei gegenüber den Mädchen verhalten, doch wir seien hier in Deutschland – und hier würden andere Regeln gelten. Meine Versuche die Sache zu klären wurden konsequent abgeblockt. Völlig verwirrt ging ich nach dieser Schelte zu den Mädchen und fragte sie, ob sie denn Frau Rose recht geben würden. Aber sie waren offensichtlich ebenso überrascht wie ich und konnten den plötzlichen Anflug ihres in meinen Ohren eindeutig türkenfeindlichen Ausbruchs nicht verstehen.
Zwei Geschichten, die selbe Misslage. Und eine ganze Reihe von Fragen, auf die wir nur gemeinsam eine Antwort finden können:
1) Wie sollen sich Jugendliche mit einem muslimischen Hintergrund sich mit Deutschland identifizieren, wenn sie bereit in sehr jungem Alter zu spüren bekommen, dass manche – wenn auch wenige – staatlich beauftragte Lehrer und Erzieher sie wie anklagbare Vertreter eines „völlig anderen”, sprich minderwertigen und verachtungswürdigen „Wertesystems” behandeln?
2) Wer soll diese überforderten Erzieher und Lehrer mit dem Innenleben ihrer anvertrauten Zöglinge mit Migrationshintergrund vertraut machen und ihnen die richtige Zuordnung ihrer bisweilen ausufernden Verhaltensweisen erklären? Wer soll ihnen verdeutlichen, dass sich jene Jugendliche oft erst dann bewusst mit ihrem „völlig anderen” Wertesystem zu identifizieren beginnen, sobald sie das Gefühl bekommen, dass sie ihr Selbstwertgefühl nur im Rückzug auf ihren Ursprung, ihre „wahre Identität” aufrecht erhalten können? Wer soll ihnen klarmachen, dass das Selbstbewusstsein, in dem jene Jugendlichen häufig auftreten, meist nichts anderes ist als ein erfolgreich überspielter Selbstzweifel? Dass jene Jugendliche innerlich von Selbstzweifeln und Identitätskonflikten derart zernagt sind, dass sie nach außen eine zweite Schutz- und Abwehridentität entwickeln? Wer wird ihnen erklären, dass diese Heranwachsenden in Wirklichkeit auch in ihrer „völlig anderen” Kultur Fremde sind? Dass sie noch schlechter türkisch als deutsch sprechen? Dass sie stolze Türken sind, aber weder die türkische Geschichte kennen, noch türkischsprachige Literatur lesen? Und dass sie als Antwort auf diese Situation sich nicht etwa beidseitig bilden und hochkämpfen, sondern bereitwillig die Rolle des unangepassten Ausgestoßenen und Verachteten übernehmen um diese sich selbst und ihrer Umwelt bei jeder immer wieder zu bestätigen?
3) Wer soll diesen türkischen, arabischen, kurdischen und vergleichbaren Kindern und Jugendlichen erklären, dass manche ihrer Aussagen und Verhaltensweisen von manchen Deutschen als äußerst befremdlich und abstoßend empfunden werden? Wer soll ihnen klarmachen, dass sie manchmal auf Schritt und Tritt beobachtet werden, und dass selbst ihre unschuldigsten und unbedachtetsten Aktionen manchmal als aktive Ablehnung der deutschen Gesellschaftsordnung im Namen einer fremden und der deutschen Kultur „völlig wesensfremden” Religion gedeutet werden? Dass sie von manchen als umso „islamischer” oder „türkischer” gesehen werden, je machohafter, frauenfeindlicher, gewalttätiger, unverschämter, lern- und leistungsunwilliger sie auftreten? Wer soll ihnen erklären, dass viele Menschen Angst vor ihnen haben, aber dass diese Angst nicht Ausdruck von Respekt, sondern vom genauen Gegenteil darstellt? Und dass auch sie die Chance haben einen anderen Weg zu wählen, ihre brachliegenden Potenziale zu wecken und all die vorbeiziehenden Chance in ihrem Leben zu ergreifen?
4) Wer soll den Eltern dieser Jugendlichen erklären, dass viele ihrer Kinder den Anschluss an die deutsche Gesellschaft verpassen, und dass ihnen dadurch nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, sondern auch alle realistischen Aussichten auf einen guten Beruf entgehen? Wer soll ihnen klarmachen, dass das Scheitern ihrer Kinder zu einem großen Teil an ihrem fehlenden Interesse am Schul- und Lebensalltag ihrer Kinder liegt? Dass die Vorurteile und Ungleichbehandlungen durch manche Lehrer und durch das „System” zwar einen wichtigen, aber eben dennoch nur einen von vielen Teilen des Problems ausmachen? Dass in Deutschland in nahezu allen Lebenslagen das Leistungsprinzip gilt, und dass prinzipiell jedem die Erfüllung der Leistungsanforderungen möglich ist? Dass sie an ihre Kinder glauben müssen und dies den Kindern immer wieder vermitteln müssen, statt ihnen vorzuhalten, dass sie dumm und faul seien? Dass es schon so viele geschafft haben sich einen würdigen Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten, und dass dies auch den Nachkommenden möglich ist?
5) Ist es möglich diese Fragen aufzuwerfen und zu diskutieren, ohne die bereits erfolgten großen Anstrengungen seitens der Deutschen und Migranten auf diesem Gebiet zu leugnen oder herunterzuspielen? Ohne anzuklagen, ohne um Mitleid zu heischen und ohne zu ideologisieren? Ohne den Jugendlichen, die auf dem Weg sind, das Gefühl zu geben hoffnungslose Sorgenkinder zu sein? Und ohne jenen, die es geschafft haben, den falschen Eindruck zu vermitteln, dass ihr Erfolg nichts zur Änderung dieser Situation beiträgt?
Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn sich alle Beteiligten von ihnen angesprochen fühlen und an einem Strang ziehen. Gerade diejenigen Jugendlichen und Erzieher, die die genannten Misslagen selbst erlebt und erfolgreich durchgestanden haben, könnten dabei von entscheidender Bedeutung sein.
*Alle Namen in diesen Berichten wurden von mir geändert.
Geschrieben in Erziehung, Türkische Jugendliche, Deutschland, Identität, Bildung, Integration | Drucken | 1 Kommentar »
Von Islamfreunden, Islamfeinden und Islamskeptikern
5.1.2010 von Hakan Turan.
Bei aller Komplexität der Zusammensetzung von Muslimen wie Nichtmuslimen in Deutschland, könnte man, wenn man am Aspekt der Gesprächsbereitschaft der Deutschen mit den Muslimen in ihrer Rolle als Muslime interessiert ist, drei Haltungen unter den Deutschen unterscheiden. Ich weiß, dass solche Klassifizierungen sehr gewagt, da grob vereinfachend sind, aber ich gehe an dieser Stelle das Wagnis ein, weil es für manche Zwecke ausreichend ist. Die erwähnten Haltungen, die ich unterscheiden möchte, sind die islamfreundliche, die islamfeindliche und die islamskeptische. Diejenigen Deutschen, die sich von all dem nicht betroffen fühlen, passen natürlich in keine dieser Kategorien. Auch geht es mir hier nicht in erster Linie um die Rolle des Islam als Religion, sondern um die Rolle der Muslime als Minderheit in Deutschland. Den Begriff Islam verwende ich hier in der Weise, wie er desöfteren im öffentlichen Diskurs verwendet wird, nämlich als das, wovon viele Nichtmuslime glauben, dass die Muslime daran glauben würden, oder theoretisch sollten, wenn sie sich als Muslime verstehen – ich weiß, eine schreckliche Definition, aber auf diesem Niveau läuft heute ein großer Teil der Debatte über den „Islam“. Mit Islamfreunden etc. meine hier daher Leute, die Muslimen freundlich gesinnt sind und zusätzlich noch Positives mit dem Begriff Islam verbinden. Ich möchte hier auch nicht auf Unterschiede im Islamverständnis der Muslime eingehen.
Am entspanntesten, sozusagen am islamfreundlichsten, ist das Verhältnis wohl dort, wo sich Muslim wie Nichtmuslim persönlich gut kennen, einiges miteinander teilen und auf diesem Weg Freunde geworden sind. Das ist die in der abstrakten Öffentlichkeit wenig wahrgenommene, aber im individuellen Leben nach wie vor intensivste Form von Freundschaft und Vertrauen zwischen „Islam“ und „Westen“ – ich setze das bewusst in Gänsefüßchen, da wir es hier eigentlich mit einer Freundschaft von Individuen und nicht von abstrakten Religionen oder Kulturen zu tun haben. Meines Erachtens ist dieser Dialog zwischen Muslimen und „Westlern“ viel wichtiger und realistischer als ein abstrakter Dialog zwischen „Islam“ und „Westen“ – ein Dialog, der verheißungsvoll klingt, aber in der Praxis aus konzeptuellen Gründen nie realisierbar war, ist und sein wird. Eine etwas ernüchternde Beobachtung ist zudem wohl die, dass die Gruppe derjenigen Deutschen, die sich ohne große Vorbehalte auch als Freunde des Islam als Religion und Lehre verstehen, zugegeben klein ist – aber ist das bei dem Bild, das die islamische Welt und manche Muslime hierzulande abgeben, wirklich verwunderlich? Zudem in einer säkularen Gesellschaft, in der selbst das ureigene Christentum und ihre kirchlichen Vertreter immer wieder unter Beschuss geraten, ausgiebig kritisiert, beleidigt und gedemütigt werden? Offen gesagt: Nein!
Die gute Nachricht lautet aber: Die Gruppe der unversöhnlichen Islamfeinde (oder –gegner) ist auch klein, und zwar wesentlich kleiner, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Sie machen viel Lärm und beanspruchen im Namen einer schweigenden Mehrheit zu sprechen – in Wirklichkeit instrumentalisieren und ideologisieren sie jedoch nur die diffuse Skepsis und Angst in der Bevölkerung, die bei weitem nicht so scharfe ideologische Konturen trägt wie die Anschauungen ihrer selbsternannten Anwälte. Sie bezeichnen sich meistens als Islamkritiker. Die meisten agieren anonym, die Mutigen von ihnen offen. Leider sind nur die wenigsten von ihnen sachliche Kritiker. Viele – zu viele – von ihnen vermischen sachliche Kritik, der man selbst als Muslim zu großen Teilen zustimmen könnte, mit billigem Populismus und genau jenem Schwarz-Weiß-Denken, das sie doch eigentlich den Muslimen nachweisen wollten. Der Mangel an kompetenten Vertretern von Gegenpositionen, und das noch zu geringe mediale Interesse am Durchschnittsmuslim in Deutschland erleichtert es ihnen die Lufthoheit in Sachen Islam für sich zu beanspruchen. Als echte oder scheinbare Tabubrecher ziehen sie viel Aufmerksamkeit auf sich – aber diese ist definitv nicht zu verwechseln mit einer uneingeschränkten Zustimmung des Volkes. Mir sind immer wieder Deutsche begegnet, die meine Meinung über manche dezidiert islamfeindliche Autoren wissen wollten. Meistens hatte ich das Gefühl, dass sie ernsthaft an einer muslimischen Meinung dazu interessiert waren. Was jene Autoren und Blogger betrifft, komme ich oft zum Ergebnis, dass sie in vielen Dingen recht haben und gute Beobachter sind. Leider versagt ihr Scharfsinn oft gerade am wichtigsten Punkt, nämlich wenn es darum geht diese Beobachtungen in einen realistischen und vernünftigen Deutungsrahmen zu setzen. Für sie ist einfach der Islam das Problem. Punkt. So vulgarisiert man den Diskurs und macht weitere Gespräche überflüssig. Von gesellschaftlichen, politischen und historischen Kontexten, die erst bestimmte Praktiken und Islamdeutungen begünstigen, wollen sie nichts wissen. Aber: Solange sie in ihren verschiedenen Deutungsrahmen nicht erklären können, warum es gläubige und praktizierende Muslime gibt, die im Westen weitgehend integriert und absolut friedfertig sind, bleibt bei vielen mein Verdacht der ideologischen Islamfeindlichkeit bestehen. Und das ist nach meinen Begriffen nun mal mehr als nur Islamkritik.
Durchaus größer als die Gruppe der Islamgegener unter den Deutschen ist die Gruppe derjenigen, die – teils aus völlig nachvollziehbaren Gründen – den Muslimen und ihrer Religion gegenüber skeptisch eingestellt sind, aber dennoch bereit sind für Differenzierung, Gespräche, Klärung offener Fragen und dem Abbau von Vorurteilen. Sie nehmen – im Gegensatz zu den Islamfeindlichen – die Muslime als Gesprächspartner ernst und sind bereit für Diskurse auf Augenhöhe. Aber sie fordern auch, dass die Muslime, die sie aus dem eigenen Alltag oft kaum persönlich kennen, ihnen mehr Anlässe zur Differenzierung geben. Ich weiß, dass es die meisten Muslime leid sind immer wieder und wieder die selben Dinge erklären zu müssen. Ich weiß, dass sie der Meinung sind anständige Bürger dieses Landes zu sein, und dass es sie manchmal an den Rande der Verzweiflung treibt, wenn sie mit dem Islambild der Öffentlichkeit konfrontiert werden. Die meisten von ihnen fühlen sich von der islamkritischen Stimmung im Lande völlig überfordert. Aber ich bin mir sicher: Der unter Muslimen zunehmend verbreitete Eindruck eines ständigen Eindreschens der Deutschen auf ihre Muslime täuscht. Die realen Erfahrungen der meisten Muslime, die ich kenne, mit den Deutschen, sprechen eine differenzierte und überwiegend positive Sprache. Warum sollte ich mich da trotz besseren Wissens der Kulturkampfrhetorik der Dauerpessimisten anschließen?
Nach wie vor ist die rechtliche Lage der Muslime in Deutschland exzellent, ebenso die theoretischen Möglichkeiten, die den Muslimen zum Aufstieg, zur Neuorientierung in Deutschland und zur angemessenen Artikulation in der Öffentlichkeit offenstehen. Das Problem ist schlicht und ergreifend, dass den Muslimen jegliche Strukturen fehlen in den öffentlichen und politischen Diskursen mitzuhalten, geschweige denn überhaupt nachzuvollziehen, worum es den meisten Deutschen wirklich geht. Darum bleiben die meisten dieser Möglichkeiten ungenutzt. Unsere Passivität in jeglicher Hinsicht trägt massiv dazu bei, dass viele Deutschen keinen Anlass vorfinden ihr Bild von Muslimen auszudifferenzieren.
Darum möchte ich vor allem die Muslime darum bitten jene große Gruppe der Mehrheitsgesellschaft, die ungeduldig auf Klarheit wartet, nicht in einen Topf zu werfen mit den sagen wir mal Türkenhassern und Moslemverachtern. Und man schaue bitte genauer hin: Selbst die konservativen, dialogbereiten Deutschen scheitern am Dialog mit diesen - ich meine damit noch nicht einmal die Linksliberalen, sondern durchaus auch Teile der Konservativen. Ich erinnere mich da nur an die Schelten und Verleumdungen, die Wolfgang Schäuble für seine Islamkonferenz einstecken musste.
Es wäre ein fataler Fehler auf muslimischer Seite, wenn sie sich in ihren Stellungnahmen in Ton und Substanz den Islamgegnern angleichen würden. Jeder Versuch sie mit ihren eigenen rhetorischen Mitteln zu schlagen, würde noch mehr Spannung und Konflikt erzeugen – jedoch überzeugen würden sie niemanden damit. Ich finde: Wir sollten es besser machen als sie, sowohl im Ton, als auch in der Substanz. Das heißt: Ja zur sachlichen Gegenkritik und Zurückweisung von Verleumdungen - aber nicht in dem widerlichen Kampfsprech der vom Hass Zerfressenen und Panikstifter. Wenn man also als Muslim einen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs leisten möchte, dann sollte man stets die Mehrheit der Deutschen vor Augen halten, also diejenigen, die ebensowenig an einem Kampf der Kulturen interessiert sind wie die Muslime.
Geschrieben in Dialog, Deutschland, Politik, Islamkritik | Drucken | Keine Kommentare »
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